Standpauke

*Humorvoll * Mutig * Scharfzüngig * Unerbittlich*

Nov-7-2008

Nach dem Rausch der (aussenpolitische) Kater?

Barack Obama wird Präsident der USA. Schon bald werden ihn die Zwänge der Realpolitik einholen.

Barack Obama wurde zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Auf den ersten Blick ein überwältigender Siege. Schaut man genauer hin, sieht die Sache nüchterner aus. Die Probleme die ihm sein Vorgänger überlässt sind gewaltig. Und schon bald könnte sich Obama in den Fallstricken der internationalen Politik verheddern.

Die Lust ist kurz, lang ist die Reue sagt ein Deutsches Bonmot. Das könnte auch auf Barack Obama zutreffen. Bezogen auf die Wahlmännerstimmen hat er tatsächlich einen grossen Sieg eingefahren. Bei einem (vorläufigen) Engergebnis von  338 Wahlmännern zu 174 von John McCain darf man ohne Zweifel von einem klaren Sieg Obamas sprechen. Auch die neue Sitzverteilung im Repräsentantenhaus und im Senat spricht Bände: in beiden Kammern verfügen Obamas Demokraten über eine absolute Mehrheit. Allerdings haben die Demokraten im 100-köpfigen Senat die anvisierten 60 Sitze verfehlt. Nur wenige Präsidenten verfügten über eine solch solide institutionelle Machtbasis wie sie Barack Obama im kommenden Januar ausnutzen kann. Er wird als einer der mächtigsten Präsidenten seine Amtszeit beginnen können.
Dementsprechend rauschend war die Wahlnacht am vergangenen Dienstag. Nicht nur in den Vereinigten Staaten feierten Millionen begeisterter Anhänger. Rund um die Welt löste der Nachfolger von George W. Bush spontane Jubelfeiern aus. Dies ist erstaunlich und spricht für die unglaubliche Fähigkeit von Barack Obama, die Leute begeistern zu können - grenzenüberschreitend. Man möge sich nur einmal vorstellen, die Wahl des französischen Präsidenten würde in den USA zu nächtlichen Wahlpartys führen - schlicht unvorstellbar.

Nicht überragend
Bei nüchterner Betrachtung wirkt das Resultat der Präsidentenwahl weit weniger spektakulär. Das amerikanische Wahlsystem bevorzugt den Gewinner. Nach dem Motto «the winner takes it all» tendiert es dazu, das eigentliche Ergebnis optisch zu verfälschen. Gewählt wurde Barack Obama in der Tat nur von knapp 52% der Wahlberechtigten. Auf John McCain entfielen rund 48% der abgegebenen Stimmen. Beinahe der Hälfte der US-Amerikaner hat sich also gegen Obama ausgesprochen! Da haben andere Kandidaten vor Barack Obama schon mit ganz andern Zustimmungsraten das Amt erobert. Calvin Coolidge zog 1924 mit der Zustimmung von 54% der Bevölkerung und mit 382 Wahlmännerstimmen ins Weisse Haus ein. Ronald Reagan kam 1980 zwar nur auf 50.7% der «popular vote» aber er konnte einen Vorsprung von 10% auf Jimmy Carter vorweisen, da andere Kandidaten auch Stimmen auf sich vereinigten. Reagan kam damals denn auch auf unglaubliche 489 Wahlmänner. Der Republikaner Hoover gewann 1928 die Wahl mit 58% aller abgegeben Stimmen, sein Parteikollege Warren G. Harding 1920 gar mit satten 60%. Selbst Franklin D. Roosevelt, ein absolutes Schwergewicht unter den amerikanischen Präsidenten des 20. Jahrhunderts, der mit dem berühmten «New Deal» die Vereinigten Staaten aus der Krise der Weltwirtschaft hievte, kam im Jahre 1932 auf 57%. Derselbe Roosevelt setzte dann bei seiner Wiederwahl 1936 mit der 61% der Zustimmung aller Wählenden und mit 523 Wahlmännerstimmen die Latte die Latte für seine Nachfolger sehr hoch an. Kein Präsident konnte sich seither einer solch breit abgestützten Zustimmung sicher sein. Obamas glorioser Sieg wird in der Rückwärtsbetrachtung also um einiges relativiert.

Obama Superhero
Bild: http://teamowens313.files.wordpress.com/2008/07/barack-obama-is-on-fire.jpg

Herausforderung Irak
Aus dem Irak will Obama die Supermacht USA so schnell wie möglich raushauen. Die Absicht mag gut sein und dem Willen einer grossen Mehrheit des amerikanischen Volkes entsprechen. Die schnelle Umsetzung birg aber ihre Tücken. Wenn die bewaffneten Truppen aus dem Irak abziehen, wird der Nachbar Iran dieses Stabilitätsvakuum zu füllen wissen. Auch dürften die separatistischen Tendenzen der Schiiten und der Kurden durch einen vorschnellen Abzug der US-Truppen weiter an Bedeutung zunehmen. Die Anrainerstaaten Türkei, Jordanien und vor allem Saudi-Arabien sind von einem Rückzug der Amerikaner alles andere als begeistert. Hier wird Obama all seine Überzeugungskraft in die Wagschaale werfen müssen, um zu einem Ergebnis zu kommen, dass geopolitische Stabilität fördert und nicht unterminiert.

Grundübel Nahost
Israel hat auf den Ausgang der US-Wahlen umgehend reagiert und Obama den Tarif bekannt gegeben. Ministerpräsidentin Tzipi Livni hat gestern im israelischen Radio verlauten lassen, dass nur schon eine Gesprächsbereitschaft der neuen Administration in Washington gegenüber dem Iran ein Zeichen der Schwäche wäre. Die Wortmeldung verdeutlicht das Dilemma, dass Obama im Nahen Osten erwarten wird. Er steht vor der schwierigen Aufgabe, den Verbündeten Israel nicht vor den Kopf zu stossen und andererseits sein Wahlversprechen, mit den Iranern das Gespräche zu suchen, einzuhalten. Sollte der rechtsgerichtete Likud-Block im Frühjahr 2009 die vorgezogenen Parlamentswahlen in Israel gewinnen, dürfte das die Absichten Obamas weiter behindern.

Afghanistan
Barack Obama hat während der Wahlkampfzeit keinen Zweifel offen gelassen, dass nicht der Krieg gegen den Irak sondern derjenige in Afghanistan von strategischer Bedeutung sei. Im Gegensatz zum Irak will er die Truppen in Afghanistan aufstocken um den Konflikt rasch zu einem für den Westen gütlichen Ende zu bringen. Allerdings ist er hier stark auf die Hilfe der Europäer angewiesen. Dementsprechend will er diese in die Pflicht nehmen und fordert ein vermehrtes Engagement, sprich die Erhöhung der Truppenzahl im Land. Ob er damit bei den Europäern, allen voran bei den Deutschen, auf Zustimmung stösst, ist mehr als fraglich. Bezüglich Afghanistans muss Obama eine harte Entscheidung treffen. Er kann den Krieg weiterführen und auf die Hilfe der Verbündeten pochen um sich der Taliban ein für alle mal zu entledigen. Oder er kann versuchen mit den Taliban zu einem Übereinkommen zu gelangen - eine Art Friedensvertrag. Letzteres Vorgehen wäre in den USA willkommene Munition für die Republikaner, die ihn dann als Sicherheitsrisiko für die USA darstellen würden.  Gerade in diesem Fall kann die Zustimmung des Wahlvolkes rapide schwinden, die knappen 52% Prozent könnten dann schnell unter die 50% Marke tauchen.

Realpolitik
Der neue amerikanische Präsident wird sich neben den schwelenden Krisenherden im Nahen und Mittleren Osten auch noch mit den oft uneinigen Europäern und den widerspenstigen Russen herumschlagen müssen. Von den Schwierigkeiten die ihn auf wirtschaftlichem Gebiet erwarten mal ganz abgesehen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass ihn auf aussenpolitischem Gebiet komplexe Problemstellungen erwarten, bei deren Lösung er sich der Unterstützung seiner Alliierten nicht immer sicher sein kann.
Obama wird es schwer haben. Einen entscheidenden Vorteil hat er aber. Er hat im Wahlkampf die Demokratische Partei derart runderneuert, dass man schon beinahe von «seiner» Demokratischen Partei sprechen kann. Da die Demokraten, meist ganz im Gegensatz zu den Republikanern, in der Vergangenheit nicht durch parteiliche Geschlossenheit glänzten, hat er eine innerparteiliche Scharte glänzend ausgewetzt. Dies wird ihm zugute kommen.
Barack Obama ist ein glänzender Redner. Rhetorik ist der Schlüssel jedes Politikers zum Erfolg. Schon Aristoteles wusste dass rednerisches Können die Basis für politische Macht ist. Daran wird Obama nicht scheitern. Viel eher muss er aber jetzt die Lehre Machiavellis vom politischen Handeln beachten. Er muss beweisen, dass er seinem Glück auch das tatkräftige Handeln (virtu) beiseite stellen kann und dass er fähig ist, die errungene Macht mit Augenmass einzusetzen.

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Sep-30-2008

Die Peronisten und die Blocheristen

Am Dienstag den 29. April stellte das vom Bund getragene Zentrum für Sozialwissenschaften an der Universität Lausanne (FORS) die aktuellen Resultate der vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Selects-Studie zum Wahlverhalten der Schweizer Bevölkerung anlässlich der eidgenössischen Wahlen 2007 vor. Wie Ihnen allen nicht unbekannt sein dürfte, war die Schweizerische Volkspartei (SVP) die grosse Gewinnerin dieser nationalen Wahlen.
Betrachte man die Ergebnisse so fallen einem bezüglich der Schweizerischen Volkspartei in erster Linie folgende Punkte auf:
1.    Die Partei scheint ihre Wähler am besten direkt ansprechen zu können. Andere Parteien haben Mühe ihre Klientel zu mobilisieren.

2.    Die Schweizerische Volkspartei ist immer im Wahlkampf. Mit Hilfe massiven Geldeinsatzes gelingt es ihr ein permanentes „Political Campaigning“ zu betreiben.

3.    Die SVP ist die Partei der Globalisierungsverlierer und der Leute mit eher geringer Schulbildung und wenig Einkommen.

4.    Christoph Blocher verkörpert(e) für viele SVP-Wähler die Parteilinie – er ist die Partei und die Partei ist Blocher.

5.    Es gelingt ihr auf den ersten Blick unterschiedliche Interessen unter einem Stichwort politisch gewinnbringend zu verkaufen.

6.    Es zeigen sich aber seit einiger Zeit gewaltige Risse innerhalb der Partei: erst die Abspaltung der Bürgerlich-Demokratischen Partei und im Zuge der Abwesenheit von Bundesrat Merz und des absehbaren Rücktrittes von Samuel Schmid die parteiinternen Diskussionen über ein Comeback des Übervaters Bocher als Bundesrat.

Ohne auf die Resultate einzugehen möchte ich Sie an dieser Stelle zu einem kurzen Ausflug in die argentinische Geschichte einladen. Sie fragen sich sicher, was die schweizerische Gegenwart mit der Geschichte Argentiniens zu tun habe – lesen Sie weiter und lassen Sie sich überraschen:

Der Peronismus ist eine politische Bewegung, die auf den Ideen und Programmen des dreimaligen argentinischen Staatspräsidenten Juan Domingo Perón und seiner Frau María Eva Duarte de Perón (besser bekannt als Evita) beruht. Im Partido Justicialista, der 1947 von den Peróns gegründet worden ist, bliebt ihr Gedankengut auf die eine oder andere Weise bis heute verwahrt. Man sagt, dass nur Argentinier den Peronismus verstehen können. Selbst wenn man ihn von einem Argentinier erklärt bekommt, begreift man den Peronismus angeblich nicht. Das ist ärgerlich. Niederschmetternd.

Peron y Evita 1951

Bild: Juan Domingo Perón mit seiner Evita 1951

Nun macht es mir tatsächlich Schwierigkeiten zu verstehen, was sich hinter diesem so geheimnisvollen politischen Gedankengut verbirgt. Denn der Peronismus lässt sich mit den europäischen Kategorien von Links und Rechts, von Sozial und Liberal, von Kapitalismus und Protektionismus nur schwer erklären. Denn er ist alles zugleich und doch noch viel mehr. Da ist verwirrend. Verstörend.

Das Bekenntnis zur sozialen Gerechtigkeit, die Sorge um den kleinen Mann gehört zum programmatischen Kern des Peronismus. Ebenso unverzichtbar ist die Forderung nach politischer Souveränität des Landes, aus welcher unweigerlich eine „Wir-zuerst-Mentalität“ erwächst, die ständig droht in Chauvinismus abzugleiten. Schliesslich stehen wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein gehöriger Schuss Nationalismus, der sich in der Vergangenheit zuweilen stramm antikommunistisch und dann wieder faschistisch gab, beim Peronismus hoch im Kurs. Das ist viel auf einmal. Sehr viel sogar.

Der Peronismus kann sich nicht entscheiden, was er denn nun wirklich sein will. Lieber ist er alles zugleich. Versehen mit einem Programm, das sowohl linke, sozialverträgliche Wirtschaftsentwicklung als auch rechte Verstaatlichung (verwirrend genug!) und Neoliberalismus gleichzeitig abdeckt verkommt er zu einem grossen unförmigen Gefäss. Zu einem Monster mit mehreren Köpfen.

So ist er denn auch aufgetreten: in seinem Namen wurden Betriebe mal „nationalisiert“ (verstaatlicht), mal wurden Staatsbetriebe im grossen Stil privatisiert. Mal gab man sich bewusst antiamerikanisch um dann wieder um 180 Grad umzuschwenken und Seite an Seite mit den USA unbarmherzig den Kommunismus zu bekämpfen – zum Wohle des Landes und zum Wohle der Welt. Der Peronismus trat als vaterländische Fortschrittsideologie mit technisch-bürokratischem Gesicht auf, andererseits sah man sich auch als emotionalisierte Bewegung mit viel Pathos und Kitsch. Das ist einigermassen widersprüchlich. Unvereinbar.

Peron 1974

Bild: Perón nach der Rückkehr aus dem Exil 1974

Zusammengehalten wurde der Gemischtwarenladen in seinem Innersten durch das grosse Charisma seines Erfinders – Juan Domingo Perón und die fast heiligenhafte Verehrung seiner Frau Evita durch weite Teile des argentinischen Volkes. Zusammen waren sie unschlagbar. Perons Programm mag in sich nicht schlüssig sein. Verschiedene Ziele mögen sich diametral widersprechen. Macht nichts. Denn Peron war in erster Linie nicht Ideologe sondern Stratege, Taktiker und ein begnadeter Manipulator. Auf jeden Fall instrumentalisierte er seine Bewegung und deren Sammelsurium an Ideen nach Belieben. Hauptsächlich diente sie ihm zum eigenen Machterhalt. Das ist nicht die feine Art. Bedenklich.

Peron war General bevor er Politiker wurde. Bei einem militärisch geschulten Denker mit einer Vorliebe für den preussischen Militarismus lässt sich seine Verhaltensweise bis zu einem gewissen Punkt erklären. Für die militärische Pflichterfüllung ist strategisches Geschickt und taktisch kluges Handeln ja auch angebracht. Ob diese Art des Denkens und Führens sich mit den Ansprüchen politischer Arbeit verträgt ist eine ganz andere Frage. Fast scheint es, als ob sich Perón an die Parole des Freiherrn von Clausewitz gehalten hat, wonach der Krieg die Weiterführung der Politik mit andern Mitteln sei – nur unter umgekehrten Vorzeichen: die Politik als Weiterführung des Krieges mit andern Mitteln…

Fällt ihnen etwas auf? Nicht?

Die Parallelen zwischen Peronismus und der jüngeren Geschichte der SVP sind augenfällig. Auch die SVP mischt programmatische Inhalte die eigentntlich nicht zu vermischen wären. Auch die SVP dient sich einerseits dem kleinen Mann (und der Frau) von  der Strasse an und gibt sich gleichzeitig als neoliberale Versteherin des Unternehmertums. Auch die SVP war lange Zeit auf eine zentrale Figur innerhalb der Partei, auf einen Heilsbringer gewissermassen, ausgerichtet. Christoph Bocher war zwar nicht General - das ist in der Schweiz Gott sein Dank ein seltenes Exemplar Mensch - aber er weiss wass es mit militärischen Graden auf sich hat und zur Obristengesellschaft gehört er alle mal. Und auch die SVP zehrt von ihrer Vergangenheit und ergeht sich momentan in Richtungskämpfen. Dies nicht unbedingt zum Wohle der eigenen Partei,  nicht zum Wohle des Landes und schon gar nicht zum Wohle des politischen Gegners.

Wenn ich das Gebaren der  Parteileitung der Rest-SVP betrachte beschleicht mich das ungute Gefühl, dass die Herren um Toni Brunner sich oben genannter clausewitzschen Maxime verschrieben hätten. Immer feste druff auf den politischen Gegner, der allzu leicht nicht mehr Gegner sondern Feind ist. Und mit Gebrüll wird gefordert, dass die Bundesversammlung im kommenden Dezember gefälligst Christoph Blocher wieder inthronisieren soll. Und vorgebracht wird diese Absicht nicht als Bitte sondern als Befehl verbunden mit politischen Ultimaten. Darob sollte man nicht in Panik verfallen. Denn auch hier sind die Parallelen mit Perón augenfällig. Er wurde 1955 nicht nur abgewählt sondern gleich durch einen veritablen Staatsstreich aus dem Amt gejagt. Die folgenden 20 Jahre verbrachte Perón damit, seine Rückkehr nach Argentinien zu ermöglichen. Und tatsächlich wurde der alte Mann noch einmal Präsident wenn auch unter, gelinde gesagt, sehr dubiosen Umständen. Nach völlig missglückten drei Jahren Präsidentschaft war der Spuk dann allerdings vorbei… Hoffen wir, dass die Parallelen zwischen Blocher und Perón hier ein Ende haben. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht!

Blocher referiert

Bild: Blocher referiert – wie immer mit vollem Körpereinsatz

Nach dem Abgang des grossen Führers – auch hier beachte man die Ähnlichkeiten zwischen Blocheristen und Peronisten – gerieten sich die politischen Erben rasch in die Haare. Nachdem Peróns zweite Frau Isabel den Karren als Präsidentin an die Wand gefahren hatte und das Militär die Macht übernahm folgten Argentiniens dunkelste Jahre. Peronisten wie auch andere Parteien duckten sich in Angst und konnten erst 7 Jahre später nach der Wiederherstellung der Demokratie aufatmen. Seither gibt es mehrere peronistische Parteien – die peronistische Partei Perón existiert nicht mehr.

Der SVP könnte es ähnlich ergehen…erste Tendenzen sind klar zu erkennen: im Dezember 2007 wurde mir Frau Widmer-Schlumpf aus Sicht der SVP eine Verräterin der Parteilinie in den Bundesrat gewählt. Die Parteileitung war verständlicherweise “not amused” und benimmt sich seither höchst bockig und stur gegenüber Abweichlern in den eigenen Reihen. Die Abspaltung von SVP-Mitgliedern und die Gründung einer neuen Partei war die Folge. In Argentinien hat sich am 17. Juli dieses Jahres Ähnliches abgespielt: Der Vizepräsident der Nation und Parteifreund der regierenden Peronistin Christina Kirchner hat mit seiner abweichlerischen Stimmabgabe gegen eine Erhöhung der Exportsteuer auf landwirtschaftliche Produkte eine zentrale Initiaitve der Präsidentin zu Fall gebracht. Auch er wurde als Verräter und Heuchler gebrandmarkt und steht nun auf ähnlich exponiertem (wenn auch noch nicht verlorenem) Posten wie die Bundesräte Schmid und Widmer-Schlumpf.

Die alte Garde, die hinter der Maske neuer Gesichter, das Geschehen im SVP-Parteivorstand zu bestimmen meinte, hat denn auch prompt die nächste Niederlage erlitten. Nachdem sie in der Sonntagspresse vom 28. September die Rückkehr ihres Christoph Blochers in den Bundesrat gefpordert hatte, wurde sie von den eigenen Leuten an der der Fraktionssitzung vom Dienstag 30. September arg im Regen stehen gelassen: mit 29 gegen 27 Stimmen bei 4 Enthaltungen hat die SVP-Fraktion beschlossen vorerst keine Kandidatennamen für eine allfällige Nachfolge von Samuel Schmid zu nennen…zwischen den Zeilen schwingt da eine gehörige Portion Misstrauen gegen Parteifreund Blocher mit. Politik funktioniert letztendlich in der Schweiz nicht viel anders als in Argentinien.

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Sep-30-2008

Argentinien – Europas Vetter in Südamerika

Vom 12. Juli 2008 bis zum 07. September 2008 durfte ich acht Wochen in Argentinien verbringen. Schon seit langer Zeit war das „Silberland“, das vom „Silberfluss“ (Rio de la Plata) durchzogen wird, eine meiner Wunschdestinationen. Wenn man heutzutage ins Land der Gauchos reist, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man über den internationalen Flughafen von Buenos Aires zum ersten Mal argentinischen Boden betritt. Buenos Aires: mit vollem Namen „Ciudad de La Santísima Trinidad y Puerto de Santa María del Buen Ayre“, oder kurz und bündig „BA“. Der Name hält übrigens was er verspricht. Dank der Seelage direkt am Rio de la Plata, der sich als braunes Band dem Atlantik entgegenwälzt und den ständig wechselnden Winden aus Süd oder Nord herrscht in Buenos Aires tatsächlich selten wirklich dicke Luft. Die Stadt kann sich glücklich schätzen, dass sie nicht in einer Mulde wie beispielsweise Santiago de Chile liegt. Denn die schiere Masse an Leuten, die im Grossraum Gran Buenos Aires leben, und das ernorme Verkehrsaufkommen würden dem Namen spotten.

Buenos Aires

Bild: Grossstadt Buenos Aires: 15 Millionen Menschen leben hier

Argentinien ist zwar integraler Teil Südamerikas, aber es ist irgendwie anders als seine Nachbarn, weniger südamerikanisch und europäischer. Als Reisender und als Europäer obendrein fällt einem dieser Umstand sofort auf.

Buenos Aires ist ein Schmelztiegel verschiedenster Rassen und doch ist es auch ein Abbild Argentiniens. Das ist nicht weiter erstaunlich, leben doch fast 40% aller Argentinier in und rund um die Hauptstadt. Die Bevölkerung gilt als einer der europäischsten von ganz Amerika (die USA eingeschlossen). Tatsächlich stammt ein Grossteil der Argentinier aus Europa, mehrheitlich aus Südeuropa. Aber es hat auch Einwanderer aus Mittel- und Nordeuropa.

Unter den Hauptstädtern bilden die Nachfahren der Italiener und der Spanier die grosse Mehrheit, wobei die Italiener den bleibenderen Eindruck hinterlassen haben - abgesehen davon, dass die Spanier ihrer Sprache zum dauerhaften Durchbruch verholfen haben. Aber des Öfteren habe ich den Eindruck, dass hinter der dünnen Schicht des Spanischen (das in Argentinien und Uruguay als español rioplatense so ganz anders klingt als das Castellano der Zentralspanier) ein Italiener hervorlugt. Das Spanisch hört sich seltsam süditalienisch an, weicher und “nuscheliger” als das Spanisch in Spanien. Zudem haben viele italienische Lehnwörter ihren Weg in das Spanisch Argentiniens gefunden. Der sehr informelle Dialekt der Hauptstädter, das sogenannte Lunfardo, bezieht einen Grossteil seines Wortschatzes aus den Sprachen der Einwanderer wobei Italienische Begriffe omnipräsent sind. So kann man in Buenos Aires ohne Probleme eine „birra“ anstelle einer „cerveza“ bestellen. Auch ist die italienische Aufforderung „andiamo!“ fast gebräuchlicher als das spanisch korrekte „vamonos!“.

Buenos Aires 2

Bil: Neben gesichtlosen Vierteln erinnern andere wohltuend an das (süd-)europäische Erbe.

Eine weitere italienische Angewohnheit, die sich in ganz Argentinien als Wohltat erweist, ist der Kaffeegenuss. Die Kaffeekultur wird hochgehalten und der Kaffee den man in der Regel bekommt ist von sehr guter Qualität. In den guten Restaurants und Kaffees wird übrigens auf Stil geachtet. Bestellt man einen cafe con leche. So erhält man in der Regel ein Glas Wasser dazu und optional auch noch ein Glas Orangensaft sowie drei medialunas (Hörnchen oder Gipfeli). Bei den Teigwaren hingegen habe ich das Gefühl, dass wir Schweizer die nach Argentinien ausgewanderten Italiener eingeholt und hinter uns gelassen haben…

Ein weiteres italienisches Kapitel ist der Strassenverkehr. Buenos Aires kann sich in dieser Hinsicht problemlos mit Rom oder gar Neapel messen. Die Porteños (wie die Einwohner von Buenos Aires genannt werden) fahren wie die Henker - vor allem die Taxistas. In Argentinien ist Tod durch Autounfall nach Herzinfarkt die zweithäufigste Todesursache…dem kann ich zustimmen, der ich oft das Taxi nehme…aber man gewöhnt sich mit der Zeit an den halsbrecherischen Fahrstil – so sehr, dass man zurück auf Schweizer Strassen ein Gefühl der Leere und der Langeweile hat…

Buenos Aires 3

Bild: Italienische Eleganz ist auch bei der Architektur nicht zu übersehen: Edificio Barolo.

Die Musik schlussendlich: im Tango fliesst alles zusammen: das Gute und das Schlechte, die Sehnsucht nach Besserung, das Lamento über Gott und die Welt, die Frau als ewige Verführerin und der Mann als stolzer Supermacho mutet auch sehr italienisch an. Von Belcanto ist eher wenig zu spüren, viel eher hört man die traurige Schwere des Südens…schmachtend bis hart an den Abgrund des Kitsch! Dabei soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Tango alles andere als DER Paartanz ist. Ursprünglich wurde er ausschliesslich von Männern getanzt. Frauen waren unerwünscht; kein Wunder, bedenkt man seine Herkunft. Der Tango wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von ehemaligen Gauchos, die es in die Grosstadt am Rio Plata verschlagen hatte, „erfunden“. In den ruckartigen, taumelnden Bewegungen kommen bis heute Anklänge an Messerkämpfe zwischen nicht mehr ganz nüchternen Kuhhirten zum Vorschein. Allerdings muss man schon genau hinschauen und sich der Herkunft des Tangos bewusst sein, um dies zu erkennen.

Auch gibt sich der Argentinier Mühe sich klassisch und gut zu kleiden, was ihm aber nicht immer gelingt. Zwar sieht man recht häufig Menschen in Anzügen, diese sind aber nicht immer neueren Datums und so komme ich mir in der U-Bahn manchmal vor wie bei einem Revival meiner Erstkommunion oder meiner Firmung: all die Onkel und Tanten in einer Robe aus den 80er Jahren…ganz lustig anzuschauen, auch wenn man nicht vergessen muss, dass es letztlich Ausdruck eines Mangels ist. Der Mangel ist wohl nicht mehr so akut wie in den Krisenjahren 2001-2003 aber man wird doch tagtäglich mit den unteren und untersten Schichten der Gesellschaft konfrontiert und es leben an die 40% Prozent aller Argentinier unter der Armutsgrenze! Wenn ich auf der Veranda meines Apartments stehe, kann ich beispielsweise abends die Müllabfuhr beobachten. Diese ist nicht wie bei uns zu ganzen Teilen Aufgabe der Stadtverwaltung, sondern wird hier grossteils den sogenannten cartoneros überlassen. Das sind Leute aus den Armenvierteln (den villas miserias) die jeden Abend entweder mit einen Güterzug oder mit museumsreifen, alten amerikanischen Lastwägen in die besseren Quartiere der Stadt fahren und dann 2-4 Stunden (oder auch länger) mit einen Handwagen den Dreck aufsammeln - wie ihr Name suggeriert, in erster Linie Papier und Karton. Das Gesammelte verwerten sie oder verkaufen es weiter. So geht das hier…

Buenos Aires 4

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May-16-2008

Zedler: Wallis (Teil 1)

Der Artikel zum Wallis umfasst im Zedler mehrere Seiten. Darum soll er hier in mehreren Teilen erscheinen.

Aus dem Zedler: 

“Wallis / Walliser-Land, lat. Valesia, Valesia, Wallesia, ehedem Vallis Poenina oder Pennina, Valinsa, Valinsa Regio, Frantz. Valais, eine kleine mit der Eydgenossenschafft verbundene Republick, in der Schweiz.

Nahme: Den Nahmen hat sie von den vielfältigen Thälern, welche lateinisch Valles heissen.

Grösse: Es erstrecket sich diese Landschafft von Osten gegen Westen von dem Ursprunge der Rhone bis zu derselben Ausfluss in den Genffer-See in die 14, oder von dem Fuss des Berges Furca bis zu St. Moritzen hinab 16 gemeine Deutsche Meilen lang, zwischen hohen Gebürgen. Die Haupt-Stadt ist Sitten.

Grenzen: Sie grenzet gegen Morgen an den Canton Uri, gegen Mittag an das Herzogthum Mayland und Savoyen, gegen Abend und Mitternacht aber an den Canton Bern.

Natürliche Beschaffenheit: Sie ist überall, ausser gegen Westen, mit sehr hohen und stets mit Schnee bedeckten Bergen umgeben. Auf den Bergen gehet viel Vieh; in dem Thal aber findet man aller=hand Obst, Mandeln, Feigen und Granat=Aepfel, wie auch gnugsam Grass, Korn und köst=lichen Wein. Im Sommer ist die Lufft darin=nen überall warm; im Winter aber desto kälter. Auch giebt es allda viele warme Bäder, sonderlich das weitberuffene Leugker-Bad.” 

Verweis:

Wallis, Walliser-Land: im LII Bande, p. 1672 unter http://mdz10.bib-bvb.de/~zedler/zedler2007/index.html [am 16.04. 2008]

Kommentar:

Von Bedeutung sind alte Berichte über bestimmte Gegenden, Fürstentümer, Königreiche aber auch über Dörfer und Städte allemal. Sie regen meist zum Schmunzeln an. Aber sie können dem Leser auch einiges über Sitten und Gebräuche, Religion, Wirtschaft, Bevölkerung, politische Zustände – kurz über allerlei kulturhistorische Eigenheiten verraten. Der Bericht über das Land Wallis macht da keine Ausnahme.

Die Länge des Wallis gibt der Zedler mit 16 gemeinen Deutschen Meilen an. Die gemeine Deutsche Meile (Milliaria Germanica communica) mass in der Regel 7720.4 heutige Meter. Dementsprechend wäre das Wallis also von der Quelle der Rhone bis nach St. Maurice 123.4 Kilometer lang. Tatsächlich misst die Strecke (Strasse) vom Furkapass bis nach St. Maurice 155.5 Kilometer…kleiner Messfehler.

Interessant sind auch die Aussagen zu den Früchten die im Tal gedeihen: die erwähnten Feigen, Mandelbäume und Granatäpfel sind heute im Wallis doch eher selten anzutreffen. Am Klima kann es nicht liegen. Wachsen doch bis heute am Burghügel von Saillon prächtige Mandelbäume und Feigen gedeihen an geschützten Lagen auch in der Schweiz. Sind doch die klimabegünstigten Gemeinden Gersau, Sisikon und Weggis seit langer Zeit bekannt für ihre Feigenbäume. Granatäpfel spielen zwar in der Symbolsprache der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kunst eine wichtige Rolle – über die Verbreitung des Baumes im Wallis ist mir jedoch nichts bekannt.

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Apr-8-2008

Zedler: Casimambous

Aus dem Zedler:

“Casimambous ein Volck in der Africanischen Insel Madagascar, sonst Zaffe-Casimambous genannt, die sehr mächtig in der Landschafft Matatane sind. Sie stammen her von einigen Arabern, welche der Calife von Mecca vor 200 Jahren in denen grossen Indianischen Schiffen hieher geschicket, um die Einwohner dieser Insel zu unterrichten. Das Haupt gedachter Araber soll die Tochter eines Fürsten derer Negri geheurathet haben, mit der Bedingung, daß ihre Kinder und Nachkommen nach der Mutter Namen Casimambous sollten genannt werden. Wie dann in der Südlichen Gegend dieser Insel der Gebrauch ist, daß sich der Name derer Familien nach der Mutter richtet. Sie sind weiß, iedoch darneben etwas schwärtzlicher als die Zaffe-Raminis. Ihre v[o]ernehmste Verrichtung ist, daß sie Ombiaffes d.i. Schreibe-Meister abgeben, welche auf denen Dörffern, allwo sie Schule halten, die Leite Arabisch schreiben und lesen lehren. Sie commandiren über die Zaffe Ramini in Maratane, welche kein Vieh noch Vögel umbringen dürffen, sondern allemahl nach einem Casimambou schicken müssen, der solches verrichte. Flacourt Hist. de Madag.“

Verweis:

Casimambous: im V. Bande, p. 628 unter http://mdz10.bib-bvb.de/~zedler/zedler2007/index.html [am 18.03. 2008]

Kommentar:

Die Casimambous werden heute nicht mehr als Ethnie Madagascars aufgeführt. Ebenfalls die Bezeichnung des Landstriches, den sie besiedelten, ist nicht mehr üblich. Bei Matatane handelt es sich heute um die Region rund um den Fluss Matitanana, in der Provinz Fianarantsoa, in der Region Atsimo-Atsinanana im Osten der Insel. Der Zedler spricht von arabischen Herkunft der Casimambous. Dass die Leute direkte Nachkommen der Flüchtlinge während der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen nach dem Tode des Propheten Mohammed waren, gehört wohl eher ins Reich der Legenden. Hingegen scheint es gesichert, dass arabische Händler und Kolonisten von der Ostküste Afrikas aus auch nach Madagaskar gelangten. Diese brachten auch den Islam auf die Insel. Dieser ist heute noch im Südosten der Insel verbreitet. Zudem beruht das Alphabet Sorabe, mit welchem die Sprache Madagaskars (Malagasy) geschrieben wird, auf dem arabischen Alphabet.

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Apr-8-2008

Zedler: (Sünden)-Pfuhl

Aus dem Zedler:

“Pfuhl”:Pfuhl (feuriger) heisst in der heiligen Schrift so viel, als die Hölle und Verdammnis, Offenb. Johz. XIX, 20, Cap. XX, 14, Cap. XXI, 8. Denn diese ist ein solcher Pfuhl, darinnen zwar kein Was-ser ist, Zachar. IX, 11, sondern lauter Feuer, Gluth und Flamme, damit die Verdammten gantz um-geben sind, welches Feuer auch nimmermehr ver-löschet, Es. LXVI, 24, Cap. XXX, 33. Es mag aber hiermit gesehen werden auf den schwefelischen und stinckenden Pfuhl, da vor diesem Sodom und Gomorrha gestanden, eder auf das Thal Behen-na bey Jerusalem, da die Juden ihre Kinder verbrannten und dem Teufel opfferten, Jerem. VII, 31, 2 B. der Thron. XXXVIII, 3, da hernach stets Feuer soll gewesen seyn, und aller Unflath hingetragen und verbrannt worden: daher auch Behenna das höllische Feuer bedeutet, Math. V, 22.“

Verweis:

Pfuhl feuriger: im XVII Bande, p. 1706 unter http://mdz10.bib-bvb.de/~zedler/zedler2007/index.html [am 10.03. 2008]

Kommentar:

„Pfüel/Pfüehl“ heisst in der höchstalemannischen Sprache der Oberwalliser bis auf den heutigen Tag „Abfall“, „Kehricht“, „Unrat“, „Müll“. Dass der Begriff auch hier biblischen Ursprungs ist, darüber besteht kein Zweifel. Worüber sich trefflich streiten lässt, ist die Frage, ob heutzutage – wo wir soviel Pfüehl produzieren wie wohl noch nie bis anhin – Abfall mit Hölle und Verdammnis gleichzusetzen ist. Fragen Sie mal in Napoli nach…dort wünschen sich nicht Wenige ein höllisches Feuer, um die Plage (der Abfall oder die Camorra – oder beide…) endlich in Rauch aufgehen zu lassen!

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Apr-6-2008

Der „Zedler“ – bitte wer?

Historiker sind komische Käuze. Sie zerbrechen sich den lieben langen Tag den Kopf über die Vergangenheit und sind darum hoffnungslos altmodisch. Sie wühlen in staubigen Archiven und sind mit Neuem auf Kriegsfuss. Sie können Sprachen auf Pergamenten entziffer, die von andern Zeitgenossen für Kindergeschmiere gehalten werden – kurz und gut: Historiker sind langweilige Typen mit altmodischen Brillen und schlechter Garderobe. So das Vorurteil.

Da ich nun selber zu dieser Gilde der Historiker gehöre, wäre es billig von mir hier all diesen Vorurteilen mit Vehemenz entgegenzutreten. Das überlasse ich lieber dem Leser. Aber eines sind sie sicher nicht: langweilig! Und um den Unterhaltungsfaktor der Geschichte unter Beweis zu stellen, werde ich Sie in dieser Kategorie in regelmässigen Abständen einladen einen faszinierenden Einblick in eines der grossartigsten Bücher aller Zeiten zu werfen – in das „Grosse vollständige Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste“ nach seinem Herausgeber Johann Heinrich Zedler auch kurz nur „Zedler“ genannt.

Der Zedler ist mehr als ein Buch, es ist DAS Lexikon des 18. Jahrhunderts! Bestehend aus 64 Bänden und 4 Supplementbänden findet sich im Zedler die enorme Anzahl von circa 284‘000 Artikeln! Der Zedler ist ein Universum für sich, eine Fundgrube von Kuriositäten und ein einmaliger Zeitzeuge zugleich. Für damalige Verhältnisse ist das Lexicon ein Mammutwerk vergleichbar mit der Bestimmung des menschlichen Genoms in unserer Zeit.

Als ernsthafter Wissenschaftler und Intellektueller ist man krampfhaft um Seriosität bemüht. Das kann ganz schön anstrengend sein – und führt ab und an zu akutem Kreativitätsschwund. Um dieser Berufskrankheit entgegenzuwirken, möchte ich an dieser Stelle alle Fesseln über Bord werfen. Nicht Quellenarbeit (des Historikers täglich Brot, das aber nichts mir Wünschelruten und Wasserspüren zu tun hat) soll hier im Vordergrund stehen, sondern die Lust am Entdecken. In regelmässigen Abständen werde ich Artikel aus dem „Grossen vollständigen Universal Lexicon aller Wissenschaften und Künste“ aus der Breitkopf-Fraktur in die moderne Arial-Schrift transkribieren. Dazu erlaube ich mir, die Artikel zu kommentieren. Manchmal ausführlich, manchmal knackig kurz – immer aber augenzwinkernd.

Der Zedler - online: http://mdz10.bib-bvb.de/~zedler/zedler2007/index.html

Johann Heinrich Zedler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Zedler

Posted under Wissen: Zedler!
Mar-11-2008

Hello world!

Hallo Zämu / Hallo zusammen /Hi everybody

Schon wieder ein Blog! Ächz, Stöhn, Würg! Muss das sein? Nein muss es nicht - aber es kann! Grosse Versprechen werde ich an dieser Stelle sicher nicht abegeben - “Schnauze tief und in die Tasten hauen” ist die Devise!

Zum Inhalt nur soviel: Vom Kleinen zum Grossen, von meiner Heimatstadt zum Erdenkreis. Thema kann alles sein, was mein Interesse weckt. Um nicht in völlige Willkür abzudriften, habe ich vier Kategorien eingerichtet:

  • Die Hure Politik
  • Fog of War
  • Wallis oh Wallis
  • Wissen: Zedler!

Ganz nach dem Motto (und frei nach Goethe): “Alles Gescheite ist schon gedacht worden. Man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken”.

Drum wars das schon mit der Begrüssung. Sehen Sie sich um. Kritisieren Sie. Kommentieren Sie.

Besten Dank

Posted under Fog of War, Wallis oh Wallis, Wissen: Zedler!, Die Hure Politik